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EPISODE 1621 SEPT 202651 MIN

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

Gabriel EderM2S

Show notes

Gabriel Eder ist Rechtsanwalt bei M2S Rechtsanwälte in Wien, zuhause im Miet- und Wohnrecht, viel vor Gericht und regelmäßig auf den Bühnen der Wiener Immobilienbubble. Wir wollten wissen, was sich bei den Juristen in Sachen KI tut. Die Antwort: mehr, als viele glauben. Und weniger, als manche hoffen.

„Mieterschaft" verrät dich Seit etwa zwei Jahren landen bei Gabriel professionell klingende Schreiben von Leuten ohne Anwalt. Er erkennt die KI sofort, an Wörtern, die in Österreich niemand verwendet. Heikel wird es, wenn sich die Gegenseite auf einen Anspruch versteift, den es gar nicht gibt. Kennst du das aus deinem Posteingang?

Halbwissen ist brandgefährlich. Und gut fürs Geschäft. Je mehr Leute mit KI-Rat in Probleme schlittern, desto mehr Beratung wird gebraucht. Gabriel sieht das gelassen. Der Unterschied zwischen ihm und dem Chatbot: Er haftet für das, was er rausschickt. Reicht das als Geschäftsmodell?

Die Zäsur Jahrelang haben Anwälte KI genutzt wie alle anderen: E-Mails polieren, geschwärzt in die Free-Version. Jetzt gibt es kostenpflichtige Tools, zugeschnitten auf den Anwaltsberuf, mit ISO-Zertifikaten und Datenschutzversprechen. Gabriels Regel gilt trotzdem: Daten sind Entgelt, auch wenn das Abo zehn Euro kostet. Was fütterst du gerade in welches Tool?

Was die Tools können. Und was nicht. Recherche zu OGH-Judikatur samt Excel-Übersicht in Sekunden: beeindruckend. Formulierungsqualität: enttäuschend, teils schlechter als die Gratis-Lösungen. Und wer die Materie nicht kennt, kann auch nicht prompten. Wann hast du ein Tool, das du vor zwei Jahren verworfen hast, zuletzt neu getestet?

Der Elefant im Raum Juristen stehen ganz oben auf jeder Liste der bedrohten Berufe. Weniger Konzipienten, weniger Anwälte: Wer zahlt dann das System? Und was passiert, wenn irgendwann ein Programm entscheidet, wer Recht hat? Wo ziehst du die Grenze zwischen Hilfstool und Entscheider?

Der KI-Mietvertrag Klingt nach Schablone, ist es nicht. Die Wertsicherungsdebatte hat gezeigt, wie schnell jahrzehntelange Marktpraxis kippt. Wer heute einen Mietvertrag baut, muss Tendenzen der Rechtsprechung vorwegnehmen. Kann das ein Tool, das nur aus der Vergangenheit lernt?

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Mietvertrag oder Wertsicherung bitte an einen Anwalt wenden.

Kapitel

00:00 Intro 03:40 Wer ist Gabriel Eder 06:16 Wertsicherung, Betriebskosten: Womit Gabriel auf Bühnen steht 12:18 „Mieterschaft": KI-Schreiben von Unvertretenen erkennen 14:18 Dunning-Kruger und gefährliches Halbwissen 16:29 Das Heil in der Flucht: Haftung als Unterschied 19:31 Die Zäsur: Vom E-Mail-Polieren zu Anwalts-Tools 23:29 Daten sind Entgelt: Datenschutz, Verschwiegenheit, RAO 25:45 Was die Tools können: Recherche und Judikatur-Excel 29:07 Was nicht funktioniert: Formulierungsqualität 32:11 Halbjährliche Sprünge: Verworfene Tools neu testen 34:13 Prompten heißt Fachkompetenz 35:21 Juristen ganz oben auf der Liste: Wer zahlt die Pensionen? 36:23 Anwaltspflicht und Sachverhalt: Wo KI nicht hin darf 38:14 Verwenden Richter KI? 41:06 Die Hochzeitskarte: Persönlichkeit gegen Präzision 43:27 Soft Skills werden wichtiger, nicht unwichtiger 44:29 450 Euro die Stunde: Honorar trotz KI 47:46 Der Konzipienten-Vergleich 48:45 Mandanten fragen nach der KI-Infrastruktur 51:18 Was Gabriel sofort ersetzen würde 52:31 Der KI-Mietvertrag und die Wertsicherung 56:11 Abmoderation